Es gibt Ereignisse, welche zu Bruchstellen in Politik und Gesellschaft werden. Bei uns in der Schweiz war es in der Energiepolitik Fukushima, hier in New York hatte der Hurrikan Sandy 2012 eine ähnliche Triebkraft: Brooklyn und Teile Manhattans wurden überflutet, die veraltete Energieinfrastruktur versagte und Hunderttausende waren während Tagen sowie teils Wochen ohne Strom. Neben dem Wiederaufbau eines grossen Kraftwerks durch ABB kamen neue Initiativen auf. In Brooklyn begann eine Community die Stromversorgung in die eigenen Hände zu nehmen, auf Lagerhäusern und Fabrikgebäuden wurden PV-Anlagen und Windturbinen installiert sowie im Crowd-Funding finanziert.
Unsere Delegation besuchte diese Community und liess sich dabei vom start-up LO3 das virtuelle Brooklyn Microgrid sowie ihren Blockchain-Ansatz vorstellen: Die Verbindung zwischen Nachfragern und Produzenten wird durch ein superintelligentes IT-System sichergestellt, welches die Bedürfnisse, Präferenzen und Preisvorstellungen ausgleicht und die Vollversorgung automatisch sicherstellt. Pumpen, Klimaanlagen und Motoren als wesentliche Energieverbraucher in einer städtischen Umgebung werden automatisch optimal unter Berücksichtigung der lokalen Strompreise, der Temperaturen etc. betrieben.
Wie Schuppen fiel es uns dann von den Augen: wenn sich dies bewährt, gibt es ähnlich Uber im Mobilitätssektor oder Airbnb im Übernachtungsgewerbe auch im Stromsektor schon bald eine Revolution. Die Aufgaben der traditionellen EVUs beschränken sich vielleicht nur noch auf Pflege und Unterhalt eines intelligenten Stromnetzes. Die Schweizer Vertreter waren sich aber einig, wegen der nur halbherzigen Liberalisierung dürfte es in der Schweiz noch einige Jahre (aber vermutlich nicht Jahrzehnte) gehen, bis sich diese technische Revolution mit den neuen Konzepten durchsetzen.
Kurt Lüscher stellte dann in seinem Referat dar, welche weiteren Stärken künftig erfolgreiche Utilities haben müssen. Er provozierte auch mit der Aussage, dass das künftige EVU vor allem eine ICT-Company sein müsse und meinte, dass nun der Change rasch angehen muss, wer langfristig erfolgreich sein will. Ein Speaker meinte gar, dass viele Utilities heute den „dead stars“ gleichen: sie leuchten noch, aber sie strahlen nicht mehr lange aus eigener Kraft.
Nach einem interessanten Panel zu smart buildings besuchten wir das Empire State Building, das 1930 innert 1 Jahres und 45 Tagen gebaut wurde und seit 2007 umfassend saniert wird. Wir lernten die typisch amerikanische Denkweise kennen, dass dabei nur umgesetzt wird, was sich innert kurzer Zeit finanziell rentiert. Es wurden beim Empire State Building nur Investitionen getätigt, die eine pay-back-Zeit von weniger als 3,1 Jahren haben – trotzdem konnte der Energieverbrauch dank einem Retrofit der Fenster, dem Anbringen von Isolationsmaterialien hinter den Radiatoren sowie einem Energiemanagementsystem um beinahe 40% reduziert werden. Die uns den Case präsentierende Ingenieurin meinte leicht selbstkritisch, in Europa hätte man wohl dank klarer Gesetzgebungen bei einem derartigen Gebäude noch weit höhere Einsparungen erzielen können. Aber alleine mit dem für das Empire State Building gewählten Ansatz liesse sich in New York 25% der Gesamtenergie einsparen: hier sind denn auch 20% der Gebäude (all diese Wolkenkratzer) für 80% des Energiekonsums im Gebäudesektor verantwortlich – ja und die Winter sind hier garstiger sowie die Sommer drückend heisser als bei uns……