Der nationale Fest- und Veranstaltungskalender im Energiebereich

Heute, am Donnerstag 24. Oktober, geht die Saison der grösseren Veranstaltungen für die Energiebranche mit der 7. Smart Energy Party in der Umweltarena Spreitenbach zu Ende. Zeit, einmal die wichtigsten Events des energetischen Fest- und Versammlungskalenders unter die Lupe zu nehmen.

Der entspannte Jahresauftakt

Den Jahresauftakt bildet seit 2002 der Neujahrsapéro des Bundesamts für Energie BFE. Seit 2007 wird an diesem Anlass auch der Energie-Oscar der Schweiz, der Watt d‘Or verliehen. An diesem Event treffen sich jeweils gegen 800 Teilnehmende aus allen Energiebranchen von Strom, Gas, Wärme, Öl, Erneuerbare, Grossverbraucher bis Energieeffizienz mitsamt Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und der Diplomatie. Früh im jungen Jahr, kurz nach den Feiertagen, das nächste Mal am 9. Januar 2020, bietet der Anlass in einer noch sehr entspannten Stimmung ein supereffizientes Networking, bei dem sich viele Jahrespläne bereits aufgleisen lassen.

Der Stromkongress

Etwas später im Januar folgt jeweils der Stromkongress, den VSE sowie Electrosuisse ursprünglich als Gegenveranstaltung zu einem privaten Tagungsorganisator lancierten. Inzwischen ist der Stromkongress zu einem Pflichttermin geworden, auch wenn die angekündigten Referenten aus Brüssel des Öfteren nicht wirklich auftreten, sondern sich vom EU-Botschafter oder anderen Experten vertreten lassen. Aber Bundesrätin, Amtsdirektoren, ElCom-Präsident und Parlamentarierrunde sind feste Elemente des Events, dessen Abendprogramm manchmal variétéhafte Züge annimmt.

Die Generalversammlungen und der untergegangene Verband

In den darauffolgenden Monaten finden all die verschiedenen Generalversammlungen der Branchenverbände, der einzelnen Firmen, der einzelnen VSE-Gruppen sowie der Landesteilverbände statt. Da ist viel an Pflichttraktanden und Routine dabei, da kann aber sehr wohl auch mal die Auflösung eines Verbandes wie der Swisselectric beschlossen werden, weil sich die Firmen mehr und mehr als Konkurrenten verstehen oder die persönliche Chemie der CEOs nicht mehr stimmt.
Wie erinnere ich mich zurück an meine Sitzungen im Kreis der vorerst nur lose verbundenen Überlandwerke zurück, wo schon bald nach Sitzungsbeginn die wesentliche Frage des Tages zu beantworten war: Wann gehen wir ins Apéro und zum mehrgängigen feinen Mittagessen in einem Hauben-Restaurant – es lebte der informelle Austausch bei Tisch. Dann folgte die geschäftig-professionelle Phase der Swisselectric mit vielen Traktanden, Arbeitsgruppen und Berichten, welche zu einer gemeinsamen nationalen sowie europäischen Positionierung beitragen sollten. Zudem hatten sie durchaus den Anspruch, den von ihnen massgeblich finanzierten VSE zu dominieren und den Kurs in allen Themen von der Wasserkraft über Europa bis zu Forschung und Entwicklung zu bestimmen. Heute ist Swisselectric aufgelöst, nur gerade Swissnuclear verwaltet noch die gemeinsame Vergangenheit der Grossen im Stromproduktions- und Handelsgeschäft.

Die Saison der Foren und Tagungen

Bunt über das ganze Jahr verteilt werden verschiedenste Informations-, Weiterbildungs- und Networkingevents angeboten: Alternierend finden der Stadtwerkekongress sowie die Powertage statt. Die AEE bietet einen Kongress für die progressiveren Marktteilnehmer an. Der VSE lädt zur Betriebsleitertagung nach Brunnen und der DSV zu seinem Forum in Olten ein. In die Reihe der Veranstalter reihen sich auch Swissgrid und die ElCom ein, welche ihre Überlegungen, Konzepte sowie Vorgaben präsentieren. Dann finden in der Sommerzeit auch gemütliche Anlässe einzelner EVUs auf Seen oder anderen wunderschönen Orten statt, zu denen man nur mit persönlicher Einladung kommt und die dem informellen Austausch sowie der Diskussion möglicher gemeinsamer Projekte dienen.

Das jüngste Kind: Die Smart Energy Party

Und seit wenigen Jahren schliesst das Veranstaltungsjahr – bevor alle zu ihren traditionellen Weihnachts- und Jahresschlussfeiern übergehen – mit der Smart Energy Party ab. Dieses von der TELCO-Branche kopierte Format hat sich rasch als neuer Begegnungsort etabliert, an dem sich um die 1000 Teilnehmer treffen. Die Ausgestaltung als kommunikativ-teamorientierter Tisch-Event ist attraktiv, die Präsenz ziemlich inkludierend (da muss man gesehen werden) und das Programm mit vielen Referaten sowie Präsentationen eher zu dominierend im Abend.

Formate mit Format?

Was mir als langjähriger Besucher und Mitwirkender dieser diversen Eventformate auffällt:

1. Der Branche scheint es recht gut zu gehen, sonst hätten die vielen Teilnehmenden nicht Zeit, sich an einer derart grossen Zahl von Veranstaltungen zu zeigen.
2. Viele Veranstalter handeln nach dem Motto „The same procedure as every year“ und repetieren ihr Rezept: Ein Referat aus der Verwaltung, eines von einem Consultant oder einer branchennahen Anwältin zur Klärung neuster Sachverhalte, ein internationales Element, ein Podium mit Branchenvertretern und Konsumenten und dann geht es zum Apéro und gemütlichem Teil. Überraschungen und Inspiration beim Programm und den Referaten fehlen: Reicht dies für die Zukunft?
3. Es muss nicht immer Christa Rigozzi sein: Ihr fröhlicher Tessiner-Charme in der Tradition der Stimmungskanone Nella Martinetti mag ja an VSE-Jubilarenfahrten angemessen sein. Aber an Fachanlässen wünscht man sich eine Moderation mit Fachkompetenz, Branchenkenntnissen und Tiefgang, die neue Ansichten und Meinungen herausschälen kann, und weniger das sich selbst Zelebrieren.