Der amerikanische Traum und das mögliche Aus der Ölwirtschaft

Erste Klagen gegen die Ölwirtschaft als Vorzeichen des Niedergangs?

Eines der spannendsten Kurzreferate hielt Ben Franta von der Stanford Law School: er zeigte nicht nur auf, dass Exxon in internen Papers bereits in den Achtzigerjahren die Klimaerwärmung ziemlich exakt voraussagte, sondern wies auch darauf hin, dass die Ölindustrie zu einer ähnlichen Problembranche werden könnte wie die Zigarettenindustrie: „Is Exxon Mobile the new Philipp Moris?“ Aktuell sind 9 Klagen von Städten wie New York gegen Erdölkonzerne hängig, welche als Verursacher des Klimawandels angeklagt sind. Vertreter der Stanford Law School meinen, dass derartige auf dem in den USA harten Verursacherprinzip basierenden Rechtsstreitigkeiten oft nach Jahrzehnten zu einem totalen Aus der Branche führen.

Stromabschaltungen bald an der Tagesordnung?

Wenig später hörten wir, dass einzelne Teilnehmer der Swiss-US Energy Innovation Days SUEID allenfalls bei ihrer Rückkehr nach Kalifornien von einer grossflächigen Stromabschaltung betroffen sein könnten. Das unter Konkursverwaltung stehende EVU PG & E befürchtet, dass die aufkommenden Winde zusammen mit den nicht optimal gewarteten Stromleitungen Waldbrände auslösen könnten. Deshalb wird 800‘000 Haushalte für Tage der Strom abgestellt und PG&E wird zum dritten Mal innert zwei Monaten die Systeme nach den Abschaltungen wieder hochfahren müssen. Versorgungssicherheit sieht anders aus…..

Die Zukunft des American Dreams: little boxes on the hillside?

Zu Beginn des dritten Tages besuchten wir das Grossprojekt Whisper Valley, das eine halbe Stunde von Austin entfernt auf 200 acres in den nächsten Jahren rund 7500 Wohnungen und Häuser für rund 30’000 Personen bauen wird. Vor der Finanzkrise war dort ein Riesen-Golfplatz geplant, nun ist eine ab der Blaupause nach Nachhaltigkeitskriterien  geplante Grosssiedlung rentabler. Die Häuser verfügen alle über eine PV-Anlage, sie  nutzen einen zentral angelegten Geothermie-Loop für Kühlung und Wärmegewinnung in Nahwärmeverbünden und sie bieten den amerikanischen Traum des Lebens im eigenen Heim mit einem recht grossen Garten an. Die einzelnen Häuser sind industriell gefertigt und entsprechen bezüglich Stabilität und Energieeffizienz nicht unbedingt unseren europäischen Vorstellungen. Aber sie sind mit Preisen von 250‘000 – 400‘000 Dollar durchaus für mittlere Einkommen dank tiefer Zinsen erschwinglich. Da aber der öffentliche Verkehr nicht existent ist, sind für normale Familien wohl zwei Autos ein Muss. Der Einbezug eines Mobilitätskonzeptes ist zwar auf der Agenda der Entwickler, soll erst zu einem späteren Zeitpunkt konkretisiert werden.

..oder die städtische Alternative SeaholmEco District

Zum Abschluss der Swiss-US Energy Innovation Days SUEID besuchten wir im Stadtzentrum vorerst den neu errichteten Seaholm Eco District. Er bietet mit seiner Nähe zum See sowie den Parks eine echte Alternative zum oben beschriebenen ländlichen Wohnen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerks wurden Wohnungen, Büros sowie Freizeiteinrichtungen errichtet, bei welchen LEED-Standard, Solarpanels, Airconditioning mit Kühlwassersystemen, Regenwassersammlung für die Toilettenspülung, Velo- und Autosharing sowie öffentliche Kunstinstallationen in der Umgebung als attraktive Trümpfe präsentiert werden. Selbst der Solarkiosk mit Ladestationen für EV, E-bikes, Handys und Tablets fehlt nicht. Teile des stillgelegten Kraftwerks stehen noch und geben dem gesamten Komplex einen Hauch von wiederauflebender Industriekultur.

Die städtische Bibliothek – ein neuer In-Place downtown

Mit echtem Stolz präsentierte uns Dub Taylor, Direktor des Texas State Energy Conservation Office SECO,  zum Schluss und als Höhepunkt die vor zwei Jahren neueröffnete städtische Bibliothek, welche bereits verschiedenste Awards gewonnen und LEED Platin erreicht hat. Auf dem attraktiven Rooftop-Garten ist die grösste Solaranlage in Austin installiert, Riesenzisternen sammeln das Regenwasser für die Toilettenspülung und Energieeffizienzinvestitionen wurden nach neusten Überlegungen getätigt. Der rund 120 Millionen Dollar teure Bau ist aber weit mehr als nur eine Bibliothek: es ist ein neuer öffentlicher Raum für Begegnungen, Kultur, Kochvorführungen etc.. Da kann man sich mit 3-D-Printing befassen, da kann man für Arbeiten Tablets ausleihen, da kann man in Gruppenräumen Schulaufgaben gemeinsam machen. Die Bibliothek scheint zu einem In-Place für die Stadt geworden zu sein, in dem man sich am Wochenende trifft, orientiert oder weiterbildet. Ganz wie es ein Spruch an einer Wand der Bibliothek sagt: first you are a reader, than you are a leader.

Weht bald der Texas-Star vor dem BFE-Gebäude?

Symbolisch das Geschenk, das SECO-Chef Dub Taylor dem Direktor des Schweizerischen Bundesamts für Energie BFE übergab: eine Texas-Flagge, welche am Tag des Beginns der SUEID auf dem Capitol, dem Gebäude der Regierung sowie des Parlaments von Texas, geweht hatte. Benoît Revaz versprach, dieser Flagge nach dem für Sommer 2020 geplanten Umzug des BFE in ein neues Gebäude einen würdigen Platz zu geben und damit an die höchst informative sowie attraktive Veranstaltung in Texas zu erinnern.