In Aarau aufgewachsen, war das EWA Teil meiner Kindheit. Ich mag mich bestens erinnern, wie ich als kleiner Junge an der MAG am EWA-Köcherlistand beinahe jeden Tag anstand, um eine Ovo zu mixen oder noch besser eine kleine Omelette zu backen. Das war für mich damals DER Höhepunkt der MAG. Und als das EWA 1957 vor Weihnachten erstmals die elektrischen Sterne in den Gassen der Altstadt leuchten liess, kamen sie mir wie riesige, strahlende Weihnachtsguetzliformen vor. Manchmal, am späteren Sonntagabend, fuhren meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern in unserem alten VW durch die Gassen, um uns von dieser Beleuchtung weihnächtlich einstimmen zu lassen. Und natürlich hatte es damals – zumindest in der Erinnerung – Schnee auf den Strassen und das Ganze war sehr, sehr feierlich.
Die Kochvorführungen in der Oberen Mühle
Dann gibt es in meinen EWA-Erinnerungen auch meine Begegnungen mit dem von mir verehrten Fräulein Wiss. Sie machte in der oberen Mühle am Mittwochnachmittag jeweils Kochführungen, die ich mit meiner Mutter gerne und oft besuchte. Das Kochen und die Rezepte faszinierten mich sehr. Speziell in Erinnerung ist mir eine Vorführung sowie ein Kochheftchen, bei dem alle Gerichte gleichzeitig im Backofen zubereitet wurden, was damals von Fräulein Wiss bereits als Möglichkeit zum Energiesparen präsentiert wurde (machte Julie Landis dazu nicht ein sehr aussagekräftiges Titelbild?). Vielleicht hatte ich bei diesen Besuchen auch ein wenig das Probieren der verschiedenen Speisen und ebenso das Ausschlecken der diversen Schüsseln und Pfannen im Hinterkopf. Jedenfalls malte ich dem Fräulein Wiss einmal ein riesiges Bild und schenkte es ihr: sie stellte es dann am nächsten Event auf und belohnte mich mit einem Kuchen. Vermutlich sind also Fräulein Wiss und damit das EWA mitverantwortlich, dass ich mich immer fürs Kochen und Geniessen interessierte und später im Militär als Fourier amtete, selbstverständlich mit Abverdienen in der Kaserne Aarau…
Die IBA heute
Heute zählen die Industriellen Betriebe Aarau zu den führenden Schweizer Stadtwerken, welche neben Strom auch Gas, Wasser und Wärme verkaufen. Zwar haben die beiden Shops, in denen man früher die neuen Lampen einkaufen ging, dichtgemacht, doch das Unternehmen ist weiter kundennah aufgestellt. Es positioniert sich mit erneuerbaren Energien und ist gewillt, das Wasserkraftwerk an der Aare umfassend zu erneuern, obwohl sich dies aktuell finanziell nicht unbedingt rechnet. Im Verwaltungsrat haben die meisten Politiker unabhängigen Experten Platz gemacht und man wagt sich an Grossprojekte, die neben Chancen durchaus auch Risiken beinhalten. Akzeptiert ist das Unternehmen in der ganzen Branche, wie sonst wäre CEO Hans-Kaspar Scherrer zum Präsidenten der Stadtwerkevereinigung Swisspower gewählt worden. Und selbst die erste sozialdemokratische Verwaltungsratspräsidentin Joli Urech hat die IBA ohne Schaden überstanden; vielmehr hat sie in dieser Zeit wichtige Schritte in eine gedeihliche Zukunft mit mehr Erneuerbaren sowie Energieeffizienz gemacht.
Smarte Eniwa?
Und nun wechselt die IBA auf den Beginn ihres Jubiläumsjahres ihren Namen und wird sich Eniwa nennen. Für Nostalgiker, welche das alte EWA-Logo mit dem Adler noch in Erinnerung haben, kommt dieser Kunstname gelegen: er enthält die drei Buchstaben EWA, die wir von unseren Kindstagen her kennen. Doch das Unternehmen will sich nicht rückwärts orientieren sondern sich neu positionieren und smart werden: smart grids in einer smarten city. Noch sind die Projekte stark auf die Energienetze ausgerichtet, noch fehlt der Link zu den anderen Netzen, noch ist die zentrale Steuerung dieses Umbaus nicht genau definiert. Die neue Eniwa wird im smarten Aarau aber eine wichtige Rolle spielen und viel zur Attraktivität des Standorts Aarau wie auch zur Lebensqualität der Bewohner beitragen können. Zu hoffen ist, dass der neue Stadtpräsident mitsamt seinem Stadtrat sich bewusst ist, dass ein derartiger Umbau klug und mit langem Atem gesteuert werden muss, ansonsten setzen sich Technokraten und Partikulärinteressen durch. Ob Aarau wohl in den nächsten Jahren einen smart city Manager erhält, der diesen Prozess nahe beim Stadtpräsidenten steuert, koordiniert und mithilft das Ganze bürgerfreundlich und attraktiv zu machen?
Es wäre toll, wenn die Stadt neben dem 2018 nach Aarau umziehenden «Stern von Laufenburg» namens Swissgrid auch einen zweiten leuchtenden, lokalen Stern für eine smarte Zukunft schaffen könnte mit Eniwa als wichtigem Element.